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OLYMPIA

Das phänomenen Olympia ist umso erstaunlicher, als seine Wirkung die zeit weit überdauerte, in der es enstand.Dies ist nur zu verstehen, wenn man bedenkt, daß die Griechen die Werte ihrer Adelszeit vielleicht stärker als andere Völker in den späteren Formen ihrer Gesellschaft bewahrt haben.Der unblutige Wettstreit im gymnischen Agon gehöhrt ebenso wie der Heldensang zu einer vom Kriegerethos getragenen Gesittung, geläutertes Erbe, wie wir sahen, der mykischen Welt; beide >spielen< sie den Krieg, beide sind sie geeignet, kämpferischen Instinkt als Ventil zu dienen und ihn zugleich wachzuhalten. Von beiden haben die Griechen nie gelassen, im Gegenteil, neben Homer und neben Olympia, die zumindest in der klassischen Zeit ihren ersten Platz im hellenischen Bildungsideal unerschütterlich behaupteten, stehen zahllose andere Namen.Wenngleich es nicht glückte, nicht glücken konnte, epische Dichtung über Jahrhunderte hinweg lebendig zu erhalten, so hörten die Griechen doch bis in byzantische Zeit nicht auf, sich in ihr zu versuchen.Das große Zeusfest aber wurde durch eine Unzahl anderer Agone,panhellenischer, regionaler,lokaler ergänzt, von denen die Spiele zu Delphi, auh dem Isthmos von Korinth und bei dem peloponnesischen Nemea zu Ehren des Apollon, des Poseidon, des Herakles gemeingriechische Beachtung fanden.Der name Olympia weist darauf hin, daß Zeus vom Olymp, dem gewaltigen, über 2900 m hohen Götterberg an der Grenze zwischen Thessalien und makedonien herkommend, von der heiligen Stätte am Alpheios Besitz ergriffen hat. Zeus aber und die Götter in seiner Umgebung, die Olympischen, sind-mag man sie auch aus vielfältigen Wurzeln, aus voegriechischen und vorindogermanischen, herleiten, mag man Unausgeglichenheiten und notdürftig gekittete Synkretismen in ihren Funktionen,Aktionen und ihren Namen entdecken- ihrem Wesen nach letzten Endes doch, wie sie auch der Historiker Herodot gesehen hat, Ausprägungen der frühgriechischen Adelszeit.Die Rhapsoden, die ihrem gebefreudigen Zuhörerkreis zu Gefallen sangen, wurden zu strengen Zensoren. Nicht jeder Gott fand vor ihnen Gnade, Dionysos und Demeter haben sie aus dem Götterkreis heraus oder zumindest an den Rand gedrängt, Herakles nur spät und zögernd zugelassen.Der Adel hat die Götter in seine geschlossene Gesellschaft einbezogen - Göttermythos, Heldensage, Familientradition sind ihm ein einziger Bereich geschichtlicher Erinnerung. Es bedurftr nicht erst der schriftlichen Aufzeichnung, um die Vergangenheit am Faden der eigenen Genealogie säuberlich aufzureihen, die letztlich - und hierin wollte niemand zurückstehen - bei Kronos endete.EIN Zeus mußte nun für viele gelten, ein Zeus zahlreichen Häusern Stammvater sein, und auch Poseidon, Apollon wurden herangezogen.So wurde denn den Göttern die Vielgechäftigkeit ehebrecherischen Treibens aufgenötigt und zwar unter der strengen Bedingung, daß das Beilager der Götter immer zur Konzeption führen müsse.Doch daran nahm niemand Anstoß, denn die Olympischen waren auch sonst vermenschlicht, ein Kreis Gleichgestimmter wie die Adelsgesellschaft, bei deren Gelagen sie, wenn man mit einer Hekatombe ein riesenfaftes Schlachtfest feierte, den >>gebührenden Anteil<< erhielten Erbliches Priestertum in den Geschlechtern tat das Seine dazu. Die Götter, die da Essen und Trinken, lachen,lieben und schlafen,so wie der Götterberg Olympos einbezogen war in die griechische Landschaft, zu ihr gehörend und doch am rande liegend; von niemandem wird er erstiegen.Dies schadet den Göttern, die zwar unendlich schön sind, unsterblich, ewig jung und vollkommen in ihrer Art, jedoch einer Zwischenwelt angehören: der Olymp ist eben nicht der Himmel. Sie sind Funktionäre einer nie geschauten, nicht gern gedachten Schicksalsmacht, in deren Auftrag sie wirken. Die gefärdet jedoch auch den Menschen, der bei dem nahen Verhältnis zu den Göttern allzu leicht geneigt ist, die gebotene Grenze zu überschreiten. Dann übt er Hybris, den Frevel, für den er zu büßen hat.Zwischen Mensch und Gott gab es für die Griechen noch jahrhundertelang unüberschreitbare, fast möchte man sagen; gesellschaftliche Schranken, die sich erst im Ausgang ihrer Geschichte zu verwischen begannen; der Spartiade Lysandros war um 400 v. Chr. der erste, der kultische Verehrung als Lebender erfahren durfte.